36. Handwerkerfrühschoppen der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land
Handwerk braucht Politik zum Anfassen

Wenn Handwerker politische Bretter bohren, dann kann die Tonalität auch schon mal etwas deutlicher ausfallen. Anpacken heißt die Devise, um die Handlungsfähigkeit für Herausforderungen und Chancen gleichermaßen sicherzustellen. Der Handwerkerfrühschoppen der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land ermöglicht alljährlich ein Podium des gepflegten Austausches, stets gemischt mit Dankesbekundungen für die erfolgreiche Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen sowie die konstruktive Ansprache kritischer Punkte aus Sicht des Handwerks. Eine gute Gelegenheit, um den Repräsentanten und gewählten Vertretern aus Politik, den Behörden, aus der Wirtschaft und den unterschiedlichsten Verbänden Notwendigkeiten für Verbesserungen oder Anpassungen aufzuzeigen.
Ende Januar eröffnete Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel den insgesamt 36. Neujahrsempfang im Veranstaltungssaal des Restaurant Borgerforeningen unter dem Motto „Politik zum Anpacken! Wenn Handwerker die politischen Bretter bohren“. Gleich zu Beginn ihrer mit Spannung erwarteten Rede machte die Kreishandwerksmeisterin darauf aufmerksam, warum sie gerade diesen Titel ausgewählt hat: „Es kommt für uns Handwerker mehr denn je darauf an, politisch zu handeln und das Handwerk noch stärker in der politischen Landschaft zu verankern. Wir sind es, die anpacken und Lösungen finden, die Dinge bewegen“. Damit dies auch weiterhin gut gelingt, so die Kreishandwerksmeisterin weiter, braucht das Handwerk eine Politik, die tatkräftig unterstützt. Wie zum Beispiel bei den Themen weltweite Inflation, den Lieferkettenproblemen, den steigenden Rohstoffpreisen oder den Herausforderungen des Klimawandels. Zugleich hat die Energiekrise Deutschland und Europa auf die Probe gestellt: „Auch für uns Handwerker ist es extrem wichtig, auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung bauen zu können“, sagt Kathrin Bindbeutel. Die Energiewende voranzutreiben, geht für das Handwerk darüber hinaus mit einer Chancenrealisierung einher, denn Elektroautos, Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen sind nicht nur umweltfreundliche Lösungen: „Politische Initiativen zur Förderung dieser Technologien sollten weiter ausgebaut werden“, unterstreicht die Kreishandwerksmeisterin.
Mit einem Rundum-Blick auf die derzeitige wirtschaftliche Lage der Handwerksbetriebe setzt Kathrin Bindbeutel ihre Ausführungen fort. Es ist keine Frage, dass diese Unsicherheiten auch an den Handwerksbetrieben nicht spurlos vorbeigehen, erklärt sie. Viele Betriebe kämpfen mit gestiegenen Kosten und müssen Preissteigerungen weitergeben: „Doch was uns Handwerkern immer noch fehlt ist die nötige Wertschätzung, vor allem eine Unterstützung aus der Politik. Wie sollen wir auf den einen Seite als Rückgrat der Wirtschaft wahrgenommen werden, wenn uns auf der anderen Seite immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, sei es durch mangelnde Fördermöglichkeiten oder übermäßige Bürokratie?“. Gerade die überbordende Bürokratie ist ein drängendes Problem, mit dem die Handwerker im Alltag immer wieder zu kämpfen haben: „Wir haben ständig neue Vorschriften, neue Formulare, die ausgefüllt werden müssen, neue bürokratische Hürden, die unsere Arbeit erschweren. Während die Politik immer wieder betont, wie wichtig es ist, die Bürokratie abzubauen, sehen wir in der Praxis leider das genaue Gegenteil“, so Bindbeutel. Wenn die Bürokratie weiter zunimmt, betont die Kreishandwerksmeisterin, bleibt wenig Raum für das, was das Handwerk ausmacht, und sie fordert eine Politik, die sich wirklich dafür einsetzt, bürokratische Hürden abzubauen, um den Handwerkern den Rücken freizuhalten, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können.
Eines kristallisierte sich deutlich in der Festtagsrede der Kreishandwerksmeisterin heraus: Handwerk braucht Politik zum Anpacken, denn auch eine ökologische Transformation gelingt nur mit einer starken Handwerksbranche: „Wir sind der Motor der Transformation und wir müssen als solcher anerkannt werden. Wenn die Politik von einer nachhaltigen Zukunft spricht, dann muss sie auch das Handwerk als entscheidenden Partner für diese Zielausrichtung begreifen und entsprechend fördern“, sagt Kathrin Bindbeutel abschließen.


