37. Flensburger Handwerkerschoppen der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land

„Das Handwerk sichert Lebensqualität Tag für Tag“

Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel im Kreise namhafter Ehrengäste: Darunter Flensburgs Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer (zw. v. re.), den Präsidenten der Handwerkskammer Flensburg, Jörn Arp (li.) sowie Björn Felder, Präsident des Wirtschaftsverbandes Handwerk Schleswig-Holstein (re.).

Für ihre Rede auf dem diesjährigen Handwerkerfrühschoppen der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land wählte Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel einen äußerst richtungsweisenden Titel aus. „Starkes Handwerk für eine starke Gesellschaft“ stellt nicht nur ein Themenmotto dar, sondern symbolisiert eine Schaffenskraft, die mit Überzeugung und Auftragstreue intakte Strukturen sicherstellt oder ausbaut. Ohne das Handwerk, so die Kreishandwerksmeisterin, gäbe es keine funktionierende Infrastruktur, nicht genug Wohnungen, keine energetische Sanierung oder regionale Versorgung: „Das Handwerk ist das Fundament unserer Gesellschaft. Handwerkerinnen und Handwerker bauen, reparieren, erhalten und erneuern. Sie sorgen dafür, dass Licht angeht, Wasser fließt, Heizungen laufen und Dächer dicht sind. Sie sichern Lebensqualität Tag für Tag“. Gerade in Zeiten beachtlicher Umbrüche ist das Handwerk ein Garant für Stabilität: „Die Strukturen sind mittelständisch und familiär geprägt. Verantwortungsbewusstsein ist eine Selbstverständlichkeit. Und genau das macht das Handwerk so wertvoll für unsere Gesellschaft“, hebt sie hervor. Denn die großen Herausforderungen sind Herkules-Aufgaben für die moderne Gesellschaft. Die Energiewende braucht Elektriker, Anlagenmechaniker und Dachdecker. Der Wohnungsbau die Fachkenntnisse der Bauwirtschaft und die Verkehrswende zum Beispiel Kfz-Mechatroniker. „Für die anstehenden Transformationsprozesse nimmt das Handwerk eine Schlüsselrolle ein. Schon jetzt arbeiten Handwerker jeden Tag daran, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Doch damit das Handwerk sein ganzes Potenzial entfalten kann, braucht es wettbewerbsfähige und mittelstandsgerechte Rahmenbedingungen sowie ein gesellschaftliches Umdenken“, fordert Kathrin Bindbeutel.

Somit sind die Dienstleistungen der Gewerke zentrale Bestandteile umfangreicher Lösungen. Doch auch 2025 trat die Konjunktur auf der Stelle und die Handwerksbetriebe warten weiter auf das Ende der Talfahrt. Der halbjährliche Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks belegt eine weitere Seitwärtsbewegung auf schwachem Niveau. Auch für das laufende Quartal rechnen die Betriebe mit sinkenden Auftragsbeständen. Fast schon folgerichtig bleibt die Investitionsneigung niedrigschwellig ausgeprägt. „Trotz der schwachen Konjunktur kämpfen die Betriebe weiter mit steigenden Material- und Rohstoffkosten sowie hohen Energiepreisen. Hinzu kommen steigende Lohnkosten, die bei rückläufigen Umsätzen erst einmal erwirtschaftet werden müssen“, erklärt die Kreishandwerksmeisterin.

Doch nur jammern nützt bekanntlich nichts. Taten bringen voran und somit ist die Fachkräftesicherung weiterhin ein zentrales Thema für die regionalen Fachbetriebe: „Eine Ausbildung im Handwerk ist kein Plan B, sie ist ein sehr guter Bildungsweg, mit hervorragenden Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten. Eine von mehreren Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist das Potenzial der Frauen im Handwerk noch mehr zu nutzen“, schlägt Kathrin Bindbeutel vor. Auch zielführend aus Sicht der Kreishandwerksmeisterin: Die Einführung eines freiwilligen Handwerkerjahres als Wahlalternative für alle jungen Menschen. Das Handwerk ist bereit, so Bindbeutel weiter, notwendige Beiträge für die Transformationsprozesse zu leisten. Es kann diese Lasten jedoch nicht allein tragen. „Wenn wir wollen, dass das Handwerk wettbewerbsfähig bleibt, dann müssen Energiepreise Planungssicherheit bekommen, Entlastungen bei den Sozialabgaben greifen und Förderprogramme auch für kleine Betriebe zugänglich werden“. Positiv bewertete die Kreishandwerksmeisterin hingegen die Abschwächung des Lieferkettengesetzes, die Erhöhung der Pendlerpauschale sowie die höheren Freigrenzen bei Solidaritätszuschlag. Ein starkes Handwerk ist jedoch kein Selbstläufer, unterstreicht die Kreishandwerksmeisterin abschließend: „Es braucht Menschen, die anpacken, Betriebe, die ausbilden, Politik, die zuhört und eine Gesellschaft, die versteht, wie wichtig das Handwerk für ihre persönliche Zukunft ist“.

Ein gern gesehener Gast zum Frühschoppen des regionalen Handwerks: Der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Thomas Jepsen.