Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land

Konjunkturelle Lage regional erfreulicher als im Bundesdurchschnitt

Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel gratuliert Heiko Oehlert zur Wiederwahl als Beisitzer im Vorstand.

Mit einem Besichtigungsrundgang auf dem Flensburger Hochschulcampus startete die diesjährige Herbstversammlung der Obermeister. Für die Delegation öffneten sich Anfang November die Türen des Maritimen Zentrum, das sich als innovativer Träger maritimer Studiengänge, die maritime Forschung und Entwicklung sowie die maritime Weiterbildung in Norddeutschland begreift. Neben der Kernaufgabe der wissenschaftlichen Einrichtung, der Ausbildung des seemännischen Führungsnachwuchses, ist das Zentrum an der Campusallee engagierter und gefragter Dienstleister für die maritime Wirtschaft. Zum Programm gehörte unter anderem eine Erkundung der Schiffssimulationsanlage.

Im Anschluss eröffnete Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel die Obermeistertagung in einem Hörsaal des Erdgeschosses. Für den 25. Januar kündigte sie den traditionellen Handwerkerfrühschuppen der Kreishandwerkerschaft an. Die aktuellen Konjunkturdaten erläuterte Dr. René Koch von der Handwerkskammer. Im Herbst 2025, so Koch, tritt die Konjunktur bundesweit gesehen auf der Stelle. Regional ist die Stimmung etwas leichter eingetrübt als im vergangenen Jahr. Jedoch bleiben überall die Belastungen hoch und die Auftragsbestände nehmen ab: „Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen geht es dem Handwerk noch relativ gut. Doch es wird definitiv weniger Geld verdient“, sagt Dr. René Koch. Die Ausbildungszahlen im gesamten Kammerbezirk verzeichnen ein leichtes Plus. Im kreisweiten Vergleich gibt es jedoch gravierende Unterschiede. So sind die Verhältnisse in Dithmarschen und Nordfriesland als äußerst schwierig anzusehen. Die Praktikums-Prämie ist ein gutes Instrument mit messbaren Erfolgen für eine gezielte Nachwuchsgewinnung. Im zweiten Jahr nach der Einführung informierte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer, Raissa Gröschl, über positive Auswirkungen: „Es werden dort vorrangig Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen, wo vorher ein Praktikum stattgefunden hat“, erläutert sie. Ein gutes Signal geht zudem vom zuständigen Landesministerium aus, denn durch eine weitere Finanzierungspritze kann das Programm erhalten bleiben.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus den Innungen“ informierten die Obermeister über die derzeitige Lage in ihren jeweiligen Gewerken. Im Baugewerbe bleiben die Lehrlingszahlen konstant. Es werden aber zu wenig Maurer ausgebildet. Die Auftragslage im Hinblick auf Reparatur- und Altbausanierungsvorhaben ist noch relativ gut. Gespannt blicken die Mitglieder auf den angekündigten Bau-Turbo, der als Gesetzesinitiative der Bundesregierung zur Beschleunigung des Wohnungsbaus beitragen soll. Die Betriebe der Dachdeckerinnung verzeichnen weiterhin eine gute Auslastung. Das Kfz-Gewerbe genießt ungebremst eine hohe Ausbildungs-Attraktivität bei jungen Leuten. Mit der Zunahme der Elektromobilität steigen die bürokratischen Erfordernisse jedoch enorm. Trotz einer guten konjunkturellen Ausgangslage gehen bei den Tischlern die Ausbildungszahlen zurück. Einen Grund dafür sieht die Obermeisterin insbesondere durch die Auflösung der Betriebstätigkeit bei mehreren Fachbetrieben. Bei den anschließenden Vorstandswahlen machte Kreishandwerksmeisterin Kathrin Bindbeutel darauf aufmerksam, dass ein Beisitzer-Posten neu besetzt werden muss. Heiko Oehlert stellte sich zur Wiederwahl und wurde mit einem einstimmigen Votum bestätigt