Obermeistertagung der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land
Zwischenbilanz in herausfordernden Zeiten

Quasi über Nacht ist die Flensburger Autohausgruppe Bauer vor gut zwei Jahren in einen digitalen Ausnahmezustand geschlittert. Ein Cyberangriff russischer Krimineller legte das gesamte IT-System lahm, was einen kompletten Datenverlust, Ausfallzeiten und finanzielle Schäden zur Folge hatte. Die Verantwortlichen reagierten mit klugen Entscheidungen, die schlussendlich eine Kehrtwende begünstigten. Doch wie konnte sich die mittelständische Autohausgruppe gegen diese Attacke aus dem World Wide Web behaupten und wie ist es gelungen, die betrieblichen Abläufe wieder herzustellen? Umfassende Einblicke in die Rettung des Unternehmens erlaubte Geschäftsführer Hauke Brodersen auf der Delegiertenversammlung der Obermeister, die Mitte November in den Ausstellungshallen der Autohausgruppe tagten.

Nach dem Eröffnungsvortrag informierte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Björn Geertz, die Mitglieder der Versammlung über die aktuelle konjunkturelle Lage. Allgemein ist eine deutliche Zurückhaltung bei den Verbrauchern zu spüren und die derzeitige Unsicherheit auf bundespolitischer Ebene trägt zu zusätzlichen Negativprognosen bei. Es stehen Befürchtungen im Raum, dass es zu weiteren Stillstands-Bewegungen kommt. Im Kammerbezirk ist zudem die Anzahl der Ausbildungsverträge um gut fünf Prozent zurückgegangen. Erfreuliche Rückmeldungen gehen hingegen im Zusammenhang mit der Praktikumsprämie bei der Handwerkskammer ein. Aussagekräftige Informationen erhielten die Delegierten anschließend über die vorgesehene Angleichung der Umlageverordnung bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung. Zukünftig werden alle Betriebe an den Kosten beteiligt, unabhängig davon, ob sie ausbilden oder nicht. Ein Grußwort richtete Kreishandwerksmeister Rolf Hansen von der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland an die Delegierten der Obermeisterversammlung. Er thematisierte die allgemein gegebenen Strukturen im Handwerk, die nach seinen Worten wohl nicht mehr lange aufrechterhalten werden können: „Die nächsten Jahre werden spannend und interessant und vielleicht folgen weitere Fusionen“. Beim Tagesordnungspunkt Bericht aus den Innungen informierten die Obermeister über das derzeitige Lagebild. Im Elektrohandwerk verzeichnen die Betriebe einen Auftragsrückgang von gut 30 Prozent, gleichzeitig erfordert die Marktsituation eine umfassende Anpassung an neue Technologien. Die Konjunkturlage im Bauhandwerk ist abhängig von der jeweiligen Ausrichtung der Betriebe. Umfangreich aufgestellte Unternehmen haben gut zu tun. Bei Betrieben mit spezialisierten Themenbereichen ist die Lage eher angespannt. So sind zum Beispiel im Einfamilienhaus-Sektor die Aufträge um 90 Prozent eingebrochen. Auch im Dachdeckerhandwerk gehen die Anfragen zurück, doch im Schnitt vermelden die Fachbetriebe ein zufriedenstellendes Marktgeschehen. Hauptgeschäftsführer Martin Hanisch informierte das Gremium über die aktuelle Situation bei den Fleischern. Zukünftig werden die regionalen Fleischereifachbetriebe der Landesinnung angehören. Für besondere Verdienste um das Handwerk erhielt der Ehrenobermeister der Innung für das Sanitär., Heizungs- und Klima-Handwerk, Dirk Neumann, gleich zwei Auszeichnungen auf der Obermeistertagung. Dazu gehörte eine Urkunde mit Ehrennadel in Bronze der Handwerkskammer sowie die silberne Ehrennadel nebst Urkunde der Kreishandwerkerschaft.



